Musik, Oper, Termine

Noahs Flut

Sonntag, 2. Mai 2010, 11:00 Uhr – Konzerthalle „Carl Philipp Emanuel Bach“, Lebuser Mauerstr. 4
15230 Frankfurt (Oder)

Über das Projekt:

2. Education – Projekt: Benjamin Britten »Noahs Flut«

Das Brandenburgische Staatsorchester Frankfurt plant für die Spielzeit 2009/10 sein 2. Education – Projekt unter der Leitung seines Chefdirigenten Howard Griffiths. Benjamin Brittens Konzertoper »Noahs Flut« soll in Frankfurt (Oder) am 2. Mai 2010 in der Konzerthalle »Carl Philipp Emanuel Bach« aufgeführt werden.

Es war der Doyen der Musikpädagogik Leo Kestenberg (geb. 1882 in Rosenberg, Ungarn, gest. 1962 in Tel Aviv, Israel, Musiker, 1929 – 1932 Ministerialrat im Preußischen Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung, leitete eine grundlegende Reform des Schulmusik- und Musikausbildungswesens ein, die sog. Kestenberg-Reform), der den geflügelten Satz von der »Erziehung zur Menschlichkeit mit und durch Musik« prägte. Ein Grundsatz, der auch heute nichts von seiner Bedeutung verloren hat.

Zahlreiche musik- und konzertpädagogische Untersuchungen belegen die Bedeutung musisch-kultureller Bildung für die Sozialisierung von Kindern und Jugendlichen mit positiven Auswirkungen auch für ihren Familienverband. Der zentrale Gedanke richtet sich darauf, dass Musik als Notwendigkeit des täglichen Lebens, gleich anderer Lebensmittel, begriffen wird. Musik soll den Alltag der Kinder durchdringen und sie darin unterstützen, sich die Welt und ihre Zusammenhänge zu erschließen.

Brittens Werk ist so verfasst, dass professionelle Musiker, Schauspieler und Gesangssolisten mit Kindern und Jugendlichen ebenfalls als Musiker, Schauspieler und Gesangssolisten und Chören zusammenarbeiten können, ja zusammenarbeiten müssen. Aus dieser Kombination bezieht die Aufführung ihren besonderen Reiz.

Die mittelalterlichen Mirakelspiele von Chester, welche die textliche Grundlage von Brittens Oper bilden, wurden von einfachen Leuten aufgeführt: Von ansässigen Handwerkern und Händlern und ihren Familien mit Chorsängern der heimischen- Kirche oder Kathedrale für die Kinderrollen. Jede Gilde führte ein Stück des Zyklus auf einem Rollwagen auf. Dieser Rollwagen bewegte sich durch die Stadt von Platz zu Platz.

Noahs Flut, in Musik gesetzt, ist für eine Aufführung ähnlichen Stils gedacht – wenn auch nicht gerade auf einem Rollwagen. Die Frankfurter Konzerthalle »Carl Philipp Emanuel Bach« wird für die Aufführung der ideale Rahmen sein.

Rollen und Ihre Darsteller:

Die Stimme Gottes – Sprechrolle
Noah – Bassbariton
Noahs Frau – Alt
Sem, Ham und Jaffett – Knabensoprane
Ihre Frauen – Mädchensoprane
Klatschbasen – Mädchensoprane
Chor der Tiere und Vögel – Kinder
Die Gemeinde – Chor

Als Tiere werden im Libretto 49 Arten genannt, von denen jeweils ein Paar auftreten soll:

Löwen, Leoparden, Pferde, Rindvieh, Schweine, Ziegen, Schafe.
Kamele, Esel, Bock und Geis.
Hunde, Otter, Füchse, Wildkatzen, Hasen.
Bären, Wölfe, Affen, Eichhörnchen, Frettchen.
Katzen, Ratten, Mäuse.
Eulen, Dommeln, Pfauen, Sumpfhühner, Raben, Hahn und Henne,
Kuckucks, Kiebitze, Tauben, Erpel und Ente.

Die Vorbereitung des 2. Education – Projektes erfolgt in mehreren Stufen bzw. Arbeitsphasen:

Am Projekt werden ca. 70 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 7 – 18 Jahren teilnehmen

Es geht bei diesem Projekt nicht um musikalische Früherziehung, auch wenn sich Kinder darunter befinden, die durch ihre Mitwirkung im Spatzenchor der Singakademie Frankfurt (Oder) oder durch ihren Unterricht in der Musikschule Frankfurt (Oder) Kontakt zur Musikwelt haben.

Es werden ebenso Kinder und Jugendliche teilnehmen, die diesen Kontakt zur Musikwelt eben noch nicht hatten: Ganz »normale« Kinder aus der Grundschule Mitte in Frankfurt (Oder) und aus der 1. Grundschule in Slubice.

Die Kinder sollen in mehreren Probephasen mit dem Stück vertraut gemacht werden. Es geht um die Geschichte Noahs, wie diese in der Bibel dargestellt wurde. Es geht um Benjamin Brittens Werk, wie dieser mit dem Stoff umgegangen ist. In den dann zusammengestellten Arbeitsgruppen sollen unter der Anleitung von Lehrern die Dekorationen, insbesondere die Tierköpfe entstehen; ferner sollen die Kinder an der Anfertigung der Kostüme beteiligt werden.

Das für die Aufführung notwendige »Kinderorchester« wird aus einem Mix von Kindern gebildet, die einerseits z.B. durch die Musikschule Frankfurt (Oder) Instrumentalunterricht erhalten und andererseits werden Kinder beteiligt, die keinerlei instrumentale Vorbildung aufweisen können und die durch pädagogisch erfahrene Musikerinnen und Musiker des Orchesters mit Instrumenten ihrer Wahl so vertraut gemacht werden, dass sie im Kinderorchester mitwirken können. Wenn es bei der Vorstellung zu »Misstönen« wegen der noch mangelnden Instrumentenbeherrschung bei einigen kommen würde, dann soll dies kein Problem sein!

Die Kinder werden ihre Kostüme und Masken zum großen Teil in Workshops selbst herstellen und dabei ihre eigene Phantasie einsetzen. Schöner und gewollter »Nebeneffekt« ist dabei zum einen das Miteinander von deutschen und polnischen Kindern, zum anderen die Stärkung der Kreativität und auch des Selbstbewusstseins der Kinder durch den fachübergreifenden Umgang mit Kunst. Am Schluss soll der Stolz jedes einzelnen Kindes stehen: Das habe ich geschafft – ich kann das. Ich bin wer!

Über das Konzert:

3. Familienkonzert

Benjamin Britten, Noahs Flut op. 59 (in deutscher Sprache)

Peter Sauerbaum, Sprecher (Die Stimme Gottes)

Rainer Scheerer, Bassbariton (Noah)

Sarah Ferede, Mezzosopran (Noahs Frau)

Frankfurter Europa-Kinderorchester, Kinder- und Jugendliche aus Frankfurter Schulen und der deutsch-polnischen EURO-Kita

Howard Griffiths, Dirigent

 

Noahs Flut – Ein musik-thetralisches Abenteuer mit Profis und Kindern

Wenn in Benjamin Brittens Kinderoper „Noahs Flut“ die Sintflut einsetzt, greifen die Profi- und Laienschlagzeuger schon mal ganz unkonventionell nach Holzlöffeln, um damit an aufgehängten Tassen und Trinkbechern Regentropfen musikalisch zum Klingen zu bringen. Mit diesen und zahlreichen anderen relativ einfachen Mitteln gibt Benjamin Britten vielen Kindern die Möglichkeit, ihre unterschiedlichen Entwicklungsstufen im instrumentalen Spiel und im Gesang in ein größeres musiktheatralisches Werk einzubringen. Und nicht nur dies. Denn in der Zusammenarbeit mit erfahrenen Profisängern, einem Profiorchester und einem Dirigenten gehen die Kinder und Jugendlichen auf eine musiktheatralische Abenteuerreise, die in der Aufführung diese mittelalterlichen Mysterienspiels um Noah, seine verwöhnte Frau und die Arche auch für das Publikum ein spannendes und kurzweiliges Ende findet.

2 comments

  1. Rainer - 2. Mai 2010 15:08

    Wolgang Thierse war auch da! Erst hat er am Samstag bei einer Naziblockade gesessen, dann Sonntag in meinem Konzert! Der Mann ist mir sehr sympathisch! Der SETZT sich für die richtigen Sachen ein 🙂

  2. Somnus - 4. Mai 2010 08:13

    gibt’s Wiederholungen? Ich wär gern gekommen, wenn’s nicht so weit wär. die Reportage im DLF war interessant

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